Rund 34 Prozent der Bevölkerung in Berlin-Mitte – über 94.000 Menschen – besitzen kein formelles Wahlrecht und sind von den anstehenden Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ausgeschlossen. Um auf dieses demokratische Defizit aufmerksam zu machen, initiierten Nachbarschaftseinrichtungen und Initiativen vom 31. August bis zum 11. September 2026 die bezirksweite Aktion „Symbol-Wahl“. Im Rathaus Tiergarten wurden nun die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.

An insgesamt 16 Standorten im Bezirk konnten Menschen ohne deutschen Pass symbolisch abstimmen. Wie Alina Dangel von der Fabrik Osloer Straße darlegte, ging Die Linke bei der Abgeordnetenhaus-Wahl mit 41,62 Prozent (82 Stimmen) als stärkste Kraft hervor, gefolgt von Bündnis 90/Die Grünen mit 17,77 Prozent (35 Stimmen) und der SPD mit 17,26 Prozent (34 Stimmen). Ein vergleichbares Bild zeigte sich bei den BVV-Stimmen, bei denen Die Linke mit knapp 40 Prozent vor Grünen, SPD, CDU und Volt lag, während BSW und AfD jeweils knapp über drei Prozent erzielten.

Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger betonte vor Ort, dass eine symbolische Wahl das fehlende Wahlrecht zwar nicht ersetzen könne, aber ein zentraler Baustein sei, um die Stimmen und Sorgen der Menschen im Kiez sichtbar zu machen. In seinem anschließenden Impulsvortrag unterstrich Daniel Heinz (pbb), wie entscheidend gezielte politische Bildung für Migranten-Communitys ist, um gesellschaftliche Spaltungen zu überwinden und demokratische Teilhabe zu stärken.

Zu den interessierten Gästen und zivilgesellschaftlichen Akteuren der Präsentation gehörte auch Borys Shavlov als Vertreter von Club Dialog e. V. In der offenen Diskussion berichteten Engagierte wie Barbara Hülsen aus dem Kreativhaus Fischerinsel, dass die eigentliche Stärke der Aktion vor allem in den zahlreichen generationsübergreifenden Gesprächen vor Ort lag. Die Symbol-Wahl bot vielen Zugewanderten erstmals einen Raum, sich über Parteien und bestehende Beteiligungsformen jenseits der Staatsbürgerschaft zu informieren. Dennoch blieb das zentrale Fazit der Veranstaltung eindeutig: Wer echte Integration fordert, muss langfristig auch allen hier lebenden Menschen eine verlässliche Stimme an der Wahlurne geben.