Der Gedenktag an den Beginn der Deportation der Russlanddeutschen in der Sowjetunion erinnert an ein tiefgreifendes und schmerzhaftes Kapitel der Geschichte. Umso deutlicher zeigte sich beim diesjährigen Tag der Russlanddeutschen in Berlin unter dem Leitmotiv „Spuren der Vergangenheit – Wege in die Zukunft“, wie Erinnerungskultur heute gelebt werden kann: nicht nur im Zeichen des Gedenkens, sondern vor allem als Fest des Lebens, der Freiheit und des gemeinschaftlichen Zusammenhalts.
Veranstaltet wurde die traditionsreiche und zugleich zukunftsorientierte Begegnung von der Organisation Riwwel gUG in enger Partnerschaft mit WIR.DE Aktive Nachbarn gUG. Die Veranstaltung brachte über 150 Menschen verschiedener Generationen zusammen und bot Raum für Geschichte, Kultur und lebendigen Dialog. Unter den engagierten Gästen und Mitwirkenden war auch Olga Hammerschmidt als Vertreterin von Club Dialog e. V., die den generationenübergreifenden Austausch vor Ort aktiv begleitete.
Das Programm spannte einen weiten Bogen zwischen historischem Bewusstsein und gegenwärtiger gesellschaftlicher Verantwortung. Ein wesentlicher Bestandteil war das interaktive Format von WIR.DE unter dem Titel „WIR sind Europa“, das die Teilnehmenden mit Quizformaten, einem Wertetest und dem Wahl-O-Mat dazu einlud, sich mit europäischen Werten und politischer Teilhabe auseinanderzusetzen. Ergänzt wurde das Geschehen durch traditionelle Kulinarik wie Riwwelkuchen, kreative Angebote und die vielbeachtete Kunstausstellung „Der rote Faden“, deren individuelle Exponate die verbindenden Fäden zwischen Familiengeschichten und Identität sichtbar machten.
Inhaltlich prägten offene, facettenreiche Gespräche den Tag. Neben den offiziellen Podien regten insbesondere die Beiträge zur Überwindung einer reinen Opferrolle und zur aktiven Selbstbestimmung zum Nachdenken an, wie sie unter anderem von Maria Hasenkampf thematisiert wurden. Ein intensiver Austausch zwischen dem Podium – vertreten durch Alexander Makeew, Alisha Gamisch und Maria Lotsmanova – und dem interessierten Publikum, moderiert von Elena Emrikh, bot Raum für drängende Fragen über Kulturvermittlung, Sichtbarkeit und Zukunftsperspektiven der Russlanddeutschen in der heutigen Gesellschaft.
Die gelungene Kooperation zwischen Riwwel, WIR.DE und zivilgesellschaftlichen Akteuren wie Club Dialog e. V. unterstreicht die Bedeutung eines starken Netzwerks für die interkulturelle Arbeit. Der Tag zeigte eindrucksvoll, dass das Gedenken an die Vorfahren die Kraft verleiht, die Gegenwart selbstbewusst zu gestalten und die Freiheit als wertvolles Erbe zu feiern.


Fotos: Riwwel – Organisation der Russlanddeutschen