Am 12. Februar 2026 lud AMCHA Deutschland nach Berlin ein zu einem Symposium unter dem Titel „Sequenzen – Nie befreit? 80 Jahre nach der Shoah zwischen Schweigen, Bearbeitung und Widerstand“. In Vertretung des Club Dialog e.V. nahm Borys Shavlov als Gast an der Veranstaltung teil.
Im Fokus stand die Frage nach der fortdauernden Wirkmacht der Shoah – auf individueller, familiärer, gesellschaftlicher und politischer Ebene. Die Diskussionen widmeten sich den psychosozialen, erinnerungskulturellen und gesellschaftspolitischen Folgen von Gewalt- und Verfolgungserfahrungen nach 1945. Dabei wurden sowohl Mechanismen der transgenerationalen Weitergabe als auch strukturelle Leerstellen im öffentlichen Gedenken thematisiert.
Drei Themenforen sowie ein dialogisches Gespräch mit Lesung eröffneten vielfältige Perspektiven: die Nachwirkungen von Verfolgungserfahrungen bei Überlebenden und ihren Angehörigen, die Dynamik der Weitergabe traumatischer Erlebnisse über mehrere Generationen sowie gesellschaftliche Faktoren, die Sichtbarkeit, Anerkennung oder Ausgrenzung von Belastungserfahrungen beeinflussen.
Die Beiträge aus dem Publikum unterstrichen die fortwährende Relevanz des Themas. Deutlich wurde, dass traumatische Erfahrungen nicht mit historischen Einschnitten enden, sondern familiäre Erzählungen, Beziehungsmuster und Identitätsbildungen über Generationen hinweg prägen.
Viele Überlebende bewahrten Stillschweigen über das Erlebte gegenüber ihren Kindern – häufig aus dem Wunsch heraus, sie zu schützen. Dennoch, so betonte der Psychotherapeut und Medizinhistoriker Christian Pross, nehmen Kinder die Belastungen ihrer Eltern auch ohne explizite Worte wahr. Diese Beobachtung verweist auf die Komplexität transgenerationaler Prozesse, die nicht allein sprachlich, sondern auch durch Affekte, Stimmungen und Beziehungsdynamiken vermittelt werden.
Vor diesem Hintergrund bleiben kontinuierliche psychosoziale Unterstützung, gesellschaftliche Anerkennung und geschützte Räume für biografisches Erzählen grundlegende Voraussetzungen für langfristige Stabilisierung und gesellschaftliche Teilhabe.