Die Teilnehmer:innen des Projekts „Lebendige Erinnerung“ des Club Dialog e.V. waren am 27. Januar, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, Ehrengäste bei der Premiere des Kinder- und Familienfilms „Das geheime Stockwerk“ im Delphi Filmpalast Berlin. Der Kinotag wurde von der Stiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft” (EVZ) ausgerichtet, die als bedeutende, vom deutschen Staat und der deutschen Wirtschaft gegründete Bundesstiftung die aktive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit sowie die Stärkung der Demokratie fördert. Die zehn Überlebenden der Leningrader Blockade und anderer NS-Verfolgung verbanden bei der Veranstaltung persönliches Erinnern mit aktueller Jugendarbeit.

Die Gruppe, die regelmäßig durch kulturelle Veranstaltungen des Projekts begleitet wird, erlebte im voll besetzten Kino die Publikumspremiere des Films, der eine Zeitreise ins Jahr 1938 erzählt. Im Anschluss waren sie direkte Zeugen des Generationendialogs auf der Bühne: Der Überlebende der NS-Verfolgung Christian Pfeil, Regisseur Norbert Lechner und Hauptdarsteller Silas John diskutierten unter Moderation von Dr. Andrea Despot über die aktuelle Bedeutung von Erinnerung und Zivilcourage. Für die Senior:innen war dies eine besondere Form der aktiven Teilhabe und ein konkretes Beispiel für die Weitergabe ihrer persönlichen Erfahrungen an junge Menschen – ein zentrales Ziel ihres Projekts.

Der Besuch war mehr als ein kultureller Ausflug. Er war eine tiefgehende, emotionale Teilhabe am gesellschaftlichen Gedenken. „Die Arbeit unseres Projekts zielt genau darauf ab: die Lebensqualität der NS-Überlebenden zu verbessern, ihnen einen Raum für gesellschaftliche Teilhabe zu geben und ihre Geschichten lebendig zu halten“, sagt Natalia Roesler, Geschäftsführerin des Club Dialog e.V. Der Kinotag stand unter dem Motto „Wann erhebe ich meine Stimme?“, das den Bogen von der historischen Verantwortung zu heutigem Engagement schlägt – eine Frage, die auch im Alltag des Projekts eine große Rolle spielt.

Die Veranstaltung fand besonderen Anklang bei Projektkoordinator Leonid Berezin, der kürzlich seinen 97. Geburtstag feierte. Er schätzte sowohl die gelungene Filmvorführung als auch den anschließenden, generationsübergreifenden Austausch sehr. Für ihn und die anderen neun Teilnehmenden war der Abend ein starkes Signal. Sie verließen das Kino als aktive Zeitzeug:innen, bestärkt darin, dass ihre persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen nicht nur gehört, sondern für den gesellschaftlichen Dialog und die Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft unverzichtbar sind. So wirkt das Projekt „Lebendige Erinnerung“ als lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.